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Museum und Börse sollen vereinigt werden (Sächsische Zeitung, 22. Februar 2006)

Von Torsten Oelsner



Vorstoß. Die kleinen Parteien in Coswig wollen Geld bei den städtischen
Kultureinrichtungen sparen.



Die kleinen Parteien im Coswiger Stadtrat bereiten in diesen Tagen so etwas wie
ihre Frühjahrsoffensive vor. Am Montag gingen gleich drei Beschlussvorschläge
und eine Anfrage im Rathaus ein. Neben der Gründung einer Marketinggesellschaft
und der Ampelregelung auf der Naundorfer Straße steht vor allem ein Projekt im
Fokus von SPD, DSU und FDP: Die Vereinigung aller kulturellen Einrichtungen der
Stadt in einer Gesellschaft. Das betrifft das Stadtmuseum Karrasburg, die
Stadtbibliothek und die Börse, der eine Führungsrolle in einer möglichen Einheit
zukommen soll.



Verein oder Vereinigung



Besonders die FDP, die sich auch in Coswig als Wächterin über Steuergelder
profilieren möchte, steht hinter dieser Idee. „Seit Jahren weist das Museum
Coswig einen erheblichen Zuschussbedarf aus, der nahezu jährlich wächst“, so Alf
Schwaten vom FDP-Ortsverein. Um diese Situation zu ändern, seien Varianten zu
prüfen, ob die Organisation des Museums in anderer Rechtsform, etwa als
gemeinnütziger Verein oder eine Verschmelzung mit der Kulturbetriebsgesellschaft
Meißner Land mbH finanzielle Effekte bringt.



Es könnte dann so sein, dass die Stadt Coswig dauerhaft einen Festzuschuss an
den Träger des Museums zahlt, mit dem dieser dann auskommen müsse. „So wie das
jetzt in der Börse schon der Fall ist“, sagt Schwaten. Das Personal des Museums
würde nach diesen Vorstellungen an den künftigen Betreiben übergeleitet. An der
inhaltlichen Ausrichtung des Museums soll es keine Änderungen geben. Soweit die
Idee.



Aber die ist nicht ganz neu. Das Urheberrecht sehen Börsenschef Renè Schmidt und
Kämmerer Thomas Schubert eher im eigenen Rathaus. Schmidt äußert sich
zurückhaltend. „Das Wort in dieser Sache hat eindeutig der Kämmerer, denn hier
entscheiden am Ende nur die Zahlen.“ Und genau deshalb waren die drei Häuser
schon ins Visier von Kämmerer Schubert geraten. „In unserem
Konsolidierungskonzept von 2005 hatten wir uns vorgenommen, diese Zusammenlegung
zu prüfen“, sagt er. Dabei stellte sich heraus, dass die Effekte eher marginal
wären. Doch durch Tarifveränderungen wären Kostensteigerungen in den nächsten
Jahren bereits absehbar. Insofern werde die Stadt diesen Themenbereich natürlich
kritisch prüfen. Die Stadt könne sich auch eine ehrenamtliche Arbeit im Museum
vorstellen, so Schubert. Ebenso werde eine Zusammenlegung oder vielleicht die
Privatisierung geprüft.



Schaut man sich die nackten Zahlen an, steht das Museum am schlechtesten da. Den
rund 4 000 Euro Einnahmen stehen 90 000 Euro an Personalkosten, zuzüglich rund
19 000 Euro für Betriebs- und Sachkosten gegenüber. Vier Frauen teilen sich hier
rechnerisch 2,8 Stellen. Die Bibliothek kann immerhin noch 12 000 Einnahmen an
Ausleih- und Überziehungsgebühren vorweisen (s. Kasten).



Doppelter Boden



Doch wie immer hat auch dieser Vorgang einen doppelten Boden. Es sind nicht nur
die Zahlen allein. Kämen Museum und Bibliothek unter Renè Schmidts Leitung
zusammen, entschwänden sie dem Machtbereich von Schulamtsleiter Falk Schmidtgen.
Zwischen Schmidt und Schmidtgen herrscht jedoch seit einem Konflikt zu Beginn
der Neunziger, als es um Unterordnungsfragen ging, eine Art fragiler
Burgfrieden. Den würde Schmidt nicht um des zweifelhaften Zuerwerbs weiterer
defizitärer Einrichtungen riskieren, heißt es. Zumal er sich derzeit über einen
fünfstelligen Gewinn seines Hauses freut. Ein Gewinn, der dann in der insgesamt
immer negativen Bilanz einer Museums-Börsen-GmbH verschwinden würde.



Auch bei den betroffenen Mitarbeiterinnen gäbe es Vorbehalte gegen Schmidt, war
zu hören. Sensible Naturen schreckt der Kulturmanager mitunter mit seiner
direkten und zupackenden Art ab. Dennoch will Kämmerer Schubert diesen Komplex
nicht ad acta legen. „Wir prüfen es unaufgeregt“, so Schubert. „Sollte sich
daraus etwas ergeben, wird es jedoch nicht vor 2007 spruchreif“.

22.02.2006